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(03.04.2025 / sbr)

Deutsche Papiersackindustrie: Stabile Marktentwicklung in 2024

Die deutsche Papiersackindustrie konnte das Geschäftsjahr 2024 mit einem leichten Wachstum abschließen. Sie lieferte 1,1 Prozent mehr Papiersäcke aus als im Vorjahr. Trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten schätzen die Mitgliedsunternehmen der Gemeinschaft Papiersackindustrie e. V. (GemPSI) ihre Marktposition als stabil ein. Gleichzeitig bereitet sich die Branche intensiv auf die Umsetzung neuer regulatorischer Anforderungen der Europäischen Union vor. In 2024 stieg die Nachfrage nach Papiersäcken in den Bereichen Baustoffe (ohne Zement), Chemikalien, Nahrungsmittel (ohne Milchpulver), Futtermittel und Mineralien. Rückgänge gab es hingegen bei Zement, Milchpulver und Saatgut. Im europäischen Vergleich behält die Branche eine starke Position in Europa und belegt den zweiten Platz nach Italien.1

Moderates Wachstum in herausforderndem Umfeld

Die GemPSI-Mitgliedsunternehmen bewerten ihre Geschäftslage für das Jahr 2024 mit einem Durchschnittswert von 3,2 Punkten2 als befriedigend und ihre Zufriedenheit mit der Geschäftslage mit 3,3 Punkten2. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere die wirtschaftliche Unsicherheit in Deutschland, beeinflussten die Marktentwicklung und führten zu verhaltenen Investitionen in verschiedenen Industriesektoren. Gleichzeitig sorgten Nachholeffekte nach Lagerabbau ihrer Kunden in 2023 für eine Nachfragebelebung. Darüber hinaus stand die deutsche Papiersackindustrie 2024 unter hohem Kostendruck durch steigende Preise für Energie, Rohstoffe und Papier sowie durch regulatorische Anforderungen und höhere Lohnkosten. Unternehmen, die in neue Marktsegmente und effiziente Verpackungslösungen investierten, konnten Wachstumsimpulse setzen.

Regulatorische Vorgaben als Treiber

Regulatorische Vorgaben, Umweltaspekte und wirtschaftliche Faktoren beeinflussten in 2024 zunehmend die Produktwahl in der Papiersackindustrie. Ein deutlicher Trend blieb die Nachfrage nach braunem Papier. Darüber hinaus gewannen Verpackungen mit höherem Recyclinganteil an Bedeutung, ebenso wie der Wechsel von Kunststoff zu Papier. Die Kunden der deutschen Papiersackindustrie fokussierten sich zudem auf ressourcenschonendere Lösungen bei den Kunststofffolien. Wachsende regulatorische Anforderungen, insbesondere durch neue EU-Verordnungen, sorgten zudem für erhöhten Informations- und Beratungsbedarf entlang der gesamten Lieferkette.

Herausforderungen und Chancen in 2025

Die GemPSI-Mitglieder blicken verhalten optimistisch auf 2025. Die Mehrheit der Befragten erwartet eine stabile Nachfrage. Die allgemeine Einschätzung der Geschäftsaussichten liegt mit einem Wert von 3 Punkten2 auf einem befriedigenden Niveau. Die Branchenvertreter sehen sich gut im Markt positioniert und bewerten ihre Marktstellung positiv mit 1,83 Punkten2. Dies begründen sie mit ihrer hohen Expertise in der Produktion und im Vertrieb maßgeschneiderter, recyclingfähiger Lösungen, die hohe Produkt- und Hygienestandards erfüllen. Über REPASACK bietet die Industrie zudem ein etabliertes Rücknahme- und Recyclingsystem an. Das Thema Recycling wird nach Meinung der Befragten für viele ihrer Kunden weiter an Bedeutung gewinnen, genauso wie ein noch geringerer CO2-Fußabdruck und ein noch effizienterer Ressourceneinsatz. Seit November 2024 zeichnet sich eine leichte Markterholung ab, insbesondere in der Bau-, Nahrungs- und Futtermittelbranche. Als wesentliche Einflussfaktoren für die Geschäftsentwicklung nennen die GemPSI-Vertreter politische Entscheidungen, internationale Marktentwicklungen und mögliche Preissteigerungen beim Papier. Langfristig hängt die Markterholung jedoch primär von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Nachfrage in wichtigen Sektoren ab.

Steigender Informationsaufwand durch EU-Gesetzgebung

Auch künftig beeinflussen zunehmende regulatorische Anforderungen die Geschäftsentwicklung. So erwarten die GemPSI-Mitglieder durch die neue Verpackungsverordnung PPWR einen erheblichen Anstieg des Informations-, Beratungs- und Verwaltungsaufwands. Hinzu kommt, dass viele Vorgaben erst durch delegierte Rechtsakte präzisiert werden müssen. Besonders die steigende Nachfrage nach Recyclingmaterialien erfordert eine angepasste Lagerhaltung und Produktionsplanung. Die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte EUDR bringt ebenfalls Herausforderungen mit sich. Ab 2025 müssen Unternehmen nachweisen, dass ihre Produkte nicht aus kürzlich entwaldeten Gebieten stammen. Die GemPSI-Mitglieder erfüllen bereits strenge Nachhaltigkeitskriterien. Sie rechnen jedoch mit einem höheren Dokumentationsaufwand und der Notwendigkeit, Sorgfaltspflichtsysteme aufzubauen. Besonders kleinere Unternehmen könnten dadurch finanziell verhältnismäßig stärker belastet werden. „Um eine reibungslose Umsetzung der EU-Gesetzgebung sicherzustellen und unseren Kunden weiterhin rechtskonforme und leistungsfähige Verpackungslösungen bereitzustellen, investieren wir frühzeitig in Schulungen und personelle Ressourcen“, erklärt Alfred Rockenfeller, GemPSI-Vorsitzender. Mit ihrer hohen Fachkompetenz und bestehenden Recyclingstrukturen durch REPASACK sehen die GemPSI-Mitglieder in der neuen Gesetzgebung auch Chancen. „Durch Innovationen und nachhaltige Verpackungslösungen können wir unsere Marktposition weiter stärken und die wachsende Nachfrage nach ressourcenschonenden Alternativen optimal bedienen“, betont Rockenfeller. „So bleibt die Papiersackindustrie ein verlässlicher Partner für nachhaltige und effiziente Verpackungslösungen.“

Die Zusammenstellung der Inhalte des Branchenbarometers erfolgte mithilfe eines Fragebogens und durch Desktop-Research anhand relevanter Publikationen Dritter. Das gesamte Branchenbarometer inklusive detaillierter Zahlen und ausführlicher Erklärungen steht hier zum Download bereit. Weitere Informationen zur Gemeinschaft Papiersackindustrie e.V.: papiersack.de.

1 EUROSAC Statistik Dezember 2024, Februar 2025

2 Bewertung anhand einer Punkteskala von 1 „sehr gut“ bis 5 „sehr schlecht“